1. Schwangerschaft

Die 12 Wochen Regel

Es ist eine Obligatorische aber weit verbreitetet Regel und fast jeder kennt sie. „Warte mit der Verkündung deiner Schwangerschaft bis nach der 12. Woche“ Ich habe schon so oft darüber nachgedacht und ich verstehe Sie einfach nicht. Was hat das für einen Sinn?

Bei meiner ersten Schwangerschaft haben wir es sofort all unseren Freunden und der Familie von der Schwangerschaft erzählt. Wir wollten unser Glück einfach mit allen Teilen. Auch wenn es nachher zu einer Fehlgeburt kam, hat sich das für uns richtig angefühlt. Wir bekamen auf die frühe Verkündung auch einige negative Äußerungen „warum erzählt ihr das so früh?“, „wartet doch bis zur 12. Woche“, „es kann ja noch schief gehen“. Das will man in dem Moment natürlich nicht hören.

Was macht es den für einen Unterschied, ob ich es vor der 12. Woche oder nach der 12. Woche erzähle? Mal zu den Fakten vor der 12. Wochen ist die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt viel höher als nach der 12. Woche. Aber obwohl das Risiko nach der 12. Woche sinkt, kann doch jederzeit noch etwas schief laufen, was die Schwangerschaft vorzeitig beendet. Natürlich wünscht man das keinem, aber wir wissen eben auch es passiert leider viel zu oft.

Verkündung vor der 12. Woche

Wenn ich also vor der 12. Woche verkünde, ich bin schwanger, freuen sich erst alle mit mir. Geht es dann doch schief, wie es bei uns der Fall war, muss man allen die traurige Mitteilung machen. Aber was dann? Die Leute sind doch mit dir traurig, die helfen dir, wollen dich trösten und dir beistehen das macht doch Familie und Freunde aus das sie in schweren Zeiten für dich da sind. Jetzt bist du nicht alleine und alle wissen es geht dir nicht so gut und wenn du möchtest, sind Sie für dich da.

Ganz klar hatten wir auch die Erfahrung mit negativen Äußerungen „ihr hättet es nicht so früh erzählen dürfen“. Hier wird klar, eine Fehlgeburt ist eine Sache, die in der Gesellschaft keinen Platz hat. Darüber spricht man laut Etikette nicht. Du bist quasi schuld, denn du hast es allen erzählt und jetzt musst du alle zwingen sich darüber Gedanken zu machen, denn dir ist es ja passiert. Hättest du es nicht erzählt, müsste sich jetzt keiner Gedanken machen. Oder sich schlecht fühlen, weil es dir so schlecht geht oder warum so etwas eben passiert.

Verkündung nach der 12. Woche

Wenn ich bis nach der 12. Woche mit der Verkündung warte und eine Fehlgeburt habe sagen wir in der 10. Woche wie ist es dann? Du erleidest also einen Verlust und bist ganz allein, du hast noch deinen Partner und vielleicht wenn du so klug warst deine Eltern. Niemand sonst weiß davon, du musst ganz alleine damit klarkommen mit der Trauer, der Wut, dem Verlust das du dein Kind verloren hast. Niemand von außen kommt und kann dich mal trösten oder dir sagen „hey das wird schon wieder“. Und dieser Prozess ist ja nicht von heute auf morgen vorbei. Du trauerst ja nicht zwei Wochen und dann ist alles wieder super.

Nein das dauert und auch Wochen später, selbst wenn du vielleicht wieder in deinem alten Alltag bist, ist deine Stimmung nicht immer gut. Freunde und Kollegen, die dich gut kennen bemerken das und fragen nach und dann sagst du einfach nur: „Nein ich habe nichts“ oder „ich habe nur einen schlechten Tag“. Ich finde das hört sich überhaupt nicht gut an. Vor allem weil ich auch weiß, dass dieser Verlust dich noch Jahre später beschäftigt.

Also jedes Paar muss das natürlich für sich selbst entscheiden. Aber ich finde, es gibt viele gute Gründe, es vor der 12. Woche zu verkünden. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass auch nach der 12. Wochen noch immer alles passieren kann. Auch wenn die prozentuale Wahrscheinlichkeit nicht mehr so hoch ist.

Mein Anliegen ist es, das in der Gesellschaft offener mit dem Thema umgegangen wird. Dass eine Fehlgeburt nicht abgetan wird, dass es keine negativen Äußerungen geben darf, weil du deine Schwangerschaft früher verkündest, als es eben üblich ist. Es ist ein gesellschaftliches Problem und kein Persönliches.

Lies hier weiter: https://tschusens.de/meine-fehlgeburt-teil1/

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2 Kommentare

  1. Sarah says:

    Ein sehr guter Beitrag. Ich finde das Thema mit den „12 Wochen“ auch echt schwierig. Bei unserem 1.Kind haben wir es super geheim gehalten bis zur 12.Woche, da gab es tatsächlich Freunde, die beleidigt waren, weil wir es ihnen nicht früher gesagt haben. Und nun haben wir es 3x relativ früh verkündet, im engsten Freundeskreis und auch bei meinem Arbeitgeber und ich habe nun nach 3 Fehlgeburten folgende Erfahrung gemacht: manche Freunde können mit dieser „schlechten Nachricht“ dem „zerplatzten Glück“, dem „Tod“ nicht gut umgehen. Wissen nicht,was sie sagen sollen, erzählen oberflächlichen Smalltalk,der mir nicht hilft… und oft befinde ICH mich auf einmal in der Rolle des „Tröstenden“, der den Gesprächspartner aufmuntern muss, dass es bestimmt beim nächsten Mal klappt!! Total verrückt!! Deshalb wünschte ich, wir könnten das zuckersüße Geheimnis beim nächsten Mal auch einfach wieder 12.Wochen lang „für uns“ hüten…
    Allerdings Muss ich auch sagen, wir sprechen im Nachgang über unsere Fehlgeburten, sehr offen und sehr direkt und wir verheimlichen auch keine Trauer. Wir machen das nicht nur mit uns aus. Nur die anfängliche,zarte Freude,Hoffnung,Liebe… die möchten wir nur für uns haben.
    Ganz liebe Grüße,
    Sarah

    1. Selina says:

      Danke für dein Tollen Kommentar und deine Erfahrung zu dem Thema.

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