1. Schwangerschaft

Meine Fehlgeburt

Teil 2

Zwei Tage später hatte ich die OP. Ich musste bereits morgens, um 7 Uhr in der Klinik sein und war einer der Ersten, die operiert wurden. An diesem Morgen ging es mir soweit OK. Ich hatte meine Gefühle im Griff, aber ich hatte große Angst vor der Operation. Ich hatte eine freundliche Krankenschwester, die sich um mich kümmerte und mich in meiner Angst beruhigte. Als ich aus der Narkose wieder aufgewacht bin, wurde mir noch im Aufwachraum schlagartig bewusst, dass mein Baby jetzt nicht mehr in meinem Bauch war. Jetzt war es wirklich weg und ich musste so bitterlich weinen.

Es war so schlimm, ich konnte mich gar nicht beruhigen. Der Pfleger im Aufwachraum, war mit meiner Reaktion auch überfordert. Es kam zum Glück schnell die Schwester, die mich am Morgen in den OP gebracht hatte, und kümmerte sich um mich. Als ich wieder zurück war, im zweiten Aufwachraum war Chris schon da und wieder musste ich weinen, es war der schlimmste Tag überhaupt. Nach ein paar Stunden durfte ich nach Hause, mir ging es soweit gut und die OP ist ohne Probleme verlaufen.

Zuhause

Jetzt war ich zuhause und musste alleine mit meiner Trauer klarkommen. Ja mein Mann war auch da und er kümmerte sich wirklich rührend um mich, aber er musste das auch selbst verarbeiten. Dann ist da noch die Sache, dass ich ja das Baby im Bauch hatte und nicht er. Ich habe die ganzen hormonellen Veränderungen in meinem Körper gespürt. Für mich war das Baby realer, was nicht bedeutet, dass er weniger getrauert hat nur eben anders. Chris sagt selbst, für ihn war es schlimm, zu sehen wie ich leide und er nichts dagegen tun kann.

Die Gefühlslage in dieser Zeit ist wirklich anstrengend. Du willst die ganze Zeit nur weinen und schreien, aber du musst ja auch wieder zu Kräften kommen. Eine Woche habe ich gebraucht und dann konnte ich normal damit umgehen, auch ohne das ich ständig, wenn ich jemandem davon erzählt habe, weinen musste. Ich hatte mich wirklich gut im Griff und was mir wirklich geholfen hat, war die Sicherheit, dass wir noch ein Ei eingefroren hatten und wir es baldmöglichst wieder einsetzen konnten.

Ich habe auch sofort mit der Kinderwunschklinik Kontakt aufgenommen und nachgefragt, wann das eingefrorene Ei wiedereingesetzt werden kann. Die Ärztin der Kinderwunschklinik meinte, wir sollten zwei Zyklen abwarten und dann wäre es wieder möglich. Das war meine Rettung und die Hoffnung, an die ich mich klammerte, die ganze Zeit bis zum nächsten Versuch.

Weiter machen…

Die Tage vergehen und ich konnte mit dem Verlust irgendwie umgehen. Nach 3 Wochen bin ich auch wieder arbeiten gegangen. Ablenkung ist in solch einer Situation das Beste. Aber ständig auch heute noch kommen immer wieder diese einzelnen Momente hoch, wo ich das noch einmal durchlebe, und jedes Mal trifft mich der Schmerz. Auch jetzt beim Verfassen dieses Artikels laufen mir die Tränen. Es ist einfach keine normale Situation und alle, die das durchstehen mussten können mich verstehen.

Jetzt mit Abstand weiß ich, was das für ein großes Tabu Thema ist. Dass es viel öfter passiert, auch im bekannten Kreis, als man glaubt aber keiner redet darüber. Klar ist es kein schönes Thema, aber es sollte offener darüber gesprochen werden. Damit man sich nicht alleine fühlt, wenn es passiert. Wenn ich weiß jemandem aus meinem Bekanntenkreis ist dasselbe passiert, kann ich mit dieser Person darüber sprechen und dann hilft es vielleicht. Also mir hat das geholfen.

Lies auch Fehlgeburt Teil 1 https://tschusens.de/meine-fehlgeburt-teil1/

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